Daniela Kluckert

Neues Auto oder neuer Kraftstoff?

Von E-Autos und E-Fuels

Die Feinstaubdebatte in Deutschland ist in vollem Gange. Landauf, landab wird diskutiert, was nun zu tun ist, um die Werte zu senken und saubere Luft vor allem in den Städten zu gewährleisten. Doch in der Zwischenzeit steht die Forschung nicht still. CO2-neutrale, synthetische Kraftstoffe wie E-Fuels stehen bereits in den Startlöchern und können einen großen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Eine Einschätzung von Daniela Kluckert.

Klimaschutz ist Daseinsvorsorge. Auf saubere Luft, ein stabiles Klima und eine intakte Umwelt bauen wir unser Leben und unseren Wohlstand auf. Die aktuelle Debatte zeigt jedoch, wie sehr die Diskussion darüber aus den Fugen geraten ist. Es wird deutlich, dass wir weiter denken müssen, wenn wir die Klimaschutzziele erreichen wollen.

Dazu lohnt der Blick über den Tellerrand und auf die Bedürfnisse der Menschen selbst. Wir wollen alle schneller unterwegs sein und sind täglich auf ein reibungsloses Fortkommen angewiesen. Mobilität muss also überall verfügbar sein und gleichzeitig den Anspruch der Klimaneutralität erfüllen.

Beides können E-Fuels liefern. Sie sind emissionsneutral, weil bereits bei der Produktion Wasserstoff und CO2 zu flüssigen Kohlenwasserstoffen umgewandelt werden. E-Fuels sind damit umgehend verfügbar - lange Ladezeiten wie bei Elektroautos gibt es nicht und auch das Tankstellennetz ist bereits vorhanden, denn E-Fuels werden wie herkömmliche Kraftstoffe gelagert und verwendet. Und nicht zuletzt würden auch unsere Wirtschaft profitieren und damit Arbeitsplätze gesichert werden. Denn für E-Fuels benötigen wir keine Umstellung bei den Motoren.

Eine aktuelle Studie des Bundesverbandes der Industrie, durchgeführt von der Boston Consulting Group, sagt, dass der Einsatz dieser CO2-neutralen Kraftstoffe ein Drittel der erforderlichen CO2-Reduktionen bis 2030 bringen kann. Das ist deutlich mehr als durch einen reinen Verkehrsträgerwechsel möglich ist. Die Frage drängt sich daher auf, warum Politik den Einsatz dieser Kraftstoffe nicht fördert, oder zu mindestens mit anderer klimaschonender Mobilität gleichstellt.

Innerhalb der Europäischen Union müssen Autobauer sogenannte „Flottenziele“ einhalten. Das bedeutet, dass die gesamte Flotte eines Herstellers im Durchschnitt einen bestimmten Wert an Emissionen nicht überschreiten darf, um zugelassen zu werden. Einzelne Modelle mit niedrigerem Verbrauch können andere Modelle mit höherem Verbrauch kompensieren, damit insgesamt die Klimaziele erreicht werden. Jedoch: E-Fuels können derzeit, anders als beispielsweise Elektroautos, nicht angerechnet werden, da sich das Verkehrsministerium und das Umweltministerium nicht einig sind und sich gegenseitig blockieren.

Für uns Freie Demokraten ist klar: Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren - weder beim Umweltschutz, noch bei neuen Technologien. Und gerade bei vielversprechenden neuen Kraftstoffen wie E-Fuels muss die Politik technologieoffen sein. Daher fordern wir die Anrechenbarkeit von allen CO2-neutralen Kraftstoffen auf die Flottenziele der Automobilhersteller. Zuerst muss dies bei den derzeit in Brüssel zur Verhandlung anstehenden LKW-Flottenzielen geschehen und dann auch für den PKW-Bereich. Denn nur mit Technologieoffenheit können wir unsere Klimaziele auch wirklich erreichen.