Daniela Kluckert

Einfach ausprobieren – Autonomes Fahren im Versuchsbetrieb

Ein Appell für Real-Quartiere

Quantensprünge – anders lässt es sich nicht umschreiben, was Forschung und Entwicklung in den letzten Jahren im Bereich der autonomen Mobilität erreichet haben. Schon in wenigen Jahren wird sich der gesamte Verkehrsbereich revolutionär wandeln und das betrifft uns alle. Mobilität ist ein Indikator an gelebter Freiheit, aber auch ein Zeichen für Wohlstand, technischen Fortschritt und Leistungsfähigkeit unseres Landes. Als Bundestagsabgeordnete und speziell als stellvertretende Vorsitzende im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur beschäftigen mich Themen aus diesem Bereich fortwährend. Ich bin fest überzeugt: Autonome Fahrzeuge oder Flugtaxis gehören schon bald zu unserem Alltag. Großartige Ideen werden aber bislang zu oft nicht umgesetzt und verstecken sich hinter Aktenbergen, dicken Studien oder Anträgen. Deshalb muss man raus, dorthin, wo der Forschergeist Vorfahrt hat. Daher habe ich das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt an den Standorten Braunschweig und Adlershof in Berlin besucht. (Das DLR hat über unseren Austausch berichtet: Hier und hier).

Chancen der autonomen Mobilität

Ob auf der Straße, Schiene, über Wasser oder in der Luft – überall bieten sich durch intelligente Verkehrssysteme und Mobilität 4.0 mit vollautomatisiertem und Autonomen Fahren große Chancen. Aber nicht jeder ist vollumfänglich mobil, ob aus persönlichen Gründen oder weil man zum Beispiel auf dem Land lebt, wo das Angebot des ÖPNV oftmals nur ungenügend ausfällt. Die Entwicklung der Technologien rund um die autonome Fortbewegung ist zudem für den Wirtschaftsstandort Deutschland von überlebenswichtiger Bedeutung. (Mehr Ziele der FDP im Bereich Autonomen Fahren gibt es hier). Deswegen muss unser Interesse darin bestehen, autonome Fahrzeuge schnellstmöglich auf die Straße zu bringen.

Herausforderungen des Interaktionsprinzips im Mischverkehr

Die Technik wäre größtenteils schon so weit. Was noch fehlt, sind technische Feinheiten. Eine der größten Hürden bleibt es, ein Interaktionsprinzip im Mischverkehr zu etablieren. Was heißt das? Selbstfahrende Autos werden sich mit vom Menschen gesteuerten Fahrzeugen die Straßen teilen. Das wirft Fragen auf, denn wir Menschen haben eine Vielzahl an Zeichen, Interaktionen oder Verhaltensmuster entwickelt, die sich nicht so einfach in einen Algorithmus einfügen lassen. Ein kurzes Zunicken: „Du kannst Fahren“, ein Winken: „Komm, überhol mich“, ein Gespräch am Straßenrand ohne Absicht, die Fahrbahn zu überqueren. Die Liste an Beispielen ließe sich beliebig fortführen. Aber Mensch und Maschine verstehen sich bislang noch nicht ausreichend. Und deshalb stellt es die Forschung vor enorme Herausforderungen, geregelte Muster zum einen zusammenzufassen und zum anderen einheitlich in ihrer Technik zu implementieren.

Was wir uns erhoffen

Die Gründe, warum die Wissenschaft an dieser Stelle nur mühsam vorankommt: Es braucht eine ungeheure Mengen an Daten, anhand derer autonome Fahrzeuge das richtige Verhalten erlernen können. Diese Daten beruhen auf Erfahrungen im Straßenverkehr, sind aber noch nicht zur Genüge vorhanden. Auch Simulationen liefern nicht ausreichend Erkenntnisse. Deshalb möchten wir als Freie Demokraten Mobilitätsbeschleuniger sein. Als Partei möchten wir der Forschung helfen und einen großen Wurf wagen. Wir möchten sogenannte Real-Quartiere ermöglichen! Wir möchten neu denken und die Forschung sich ausprobieren lassen. Unsere Idee: In Real-Quartieren teilen sich autonome Fahrzeuge gemeinsam mit althergebrachten Fahrzeugen die Straßen. Anwohner willigen vorab ein, es werden völlig neue Regeln für den Verkehr geschaffen und baulich umgesetzt. Ein solches Real-Quartier wäre auch vollständig mit 5G abgedeckt. Durch Analyse und Künstliche Intelligenz lernt die Technik, verbessert sich beständig. Die größte Gefahr, und so ist es bereits heute im „normalen“ Verkehr, geht vom menschlichen Fehlverhalten aus. Durch die wissenschaftliche Begleitung und Bewertung der Real-Quartiere, kann die Wissenschaft kontinuierlich die Sicherheit im Verkehr verbessern, Lösungen auch direkt vor Ort umsetzen.  

Die Suche nach einer mutigen Bundesregierung

Aus einer Langzeitbeobachtung und Analyse dieser Real-Quartiere könnten Experten und Politik  Schlüsse ziehen, die eine Standardisierung beschleunigen, die Forschung unterstützen, noch mehr Sicherheit versprechen und neue Innovationen anstoßen. Dieses Vorgehen ist keineswegs ungewöhnlich, für LKWs wird dies auf mehreren Autobahnabschnitten in Deutschland bereits durchgeführt. Doch für unsere Idee benötigt es eine Kommune, Unternehmen und Bewohner, die sich auf diesen Versuch einlassen möchten. Diese finden wir sicher. Nur noch eine bereitwillige Regierung muss gesucht werden, die den nötigen Mut, Elan und die Kreativität für einen solchen Schritt aufbringen würde.