Daniela Kluckert

Der Preis des "kostenlosen ÖPNV"

       Um eine drohende Klage der EU-Kommission wegen zu hoher Emissionen in den Städten abzuwenden, hat die geschäftsführende Bundesregierung hektisch nach Vorschlägen gesucht. Der dabei entstandene Vorstoß zum „kostenlosen ÖPNV“ wurde in den vergangenen Tagen heiß debattiert: Ausgewählte Städte winken dankend ab. Verkehrsbetriebe warnen vor „einem Chaos“, wenn der kostenlose ÖPNV eingeführt würde. Alleine in Berlin würde dieser Vorschlag wohl mehr als eine Milliarde Euro zusätzlich kosten - ohne, dass von diesem Geld nur eine neue Schiene gelegt oder ein einziger U-Bahnhof saniert wird. Auch das erklärte Ziel, die Luft in unseren Städten sauberer zu machen, würde verfehlt. Was können wir also tun, um wirklichen Fortschritt in Sachen Luftreinheit zu erzielen? Und wie können wir dafür sorgen, dass die Menschen in unserem Land gleichzeitig schneller an ihr Ziel kommen?

       Seit den 1990er Jahren hat sich bei der Luftreinheit viel getan. Die durchschnittlichen Feinstaubwerte haben sich im Jahresmittel von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter auf 15-20 Mikrogramm mehr als halbiert. Gerade der öffentliche Nahverkehr leistet zur Verbesserung der Luftqualität einen großen Beitrag. Doch damit tatsächlich auch mehr Menschen öffentliche Verkehrsmittel benutzen, anstatt mit dem Auto zu fahren und höhere Emissionen zu produzieren, müsste auch das Nahverkehrssystem proportional mitwachsen und sich verbessern. Ein kostenloser ÖPNV würde aber nur mehr Menschen animieren, auf die gleichen Kapazitäten zuzugreifen – und das bei jetzt schon vollen Bussen und Bahnen. Der Verband der Deutschen Verkehrsunternehmen warnt daher eindringlich vor diesem Vorschlag: Schon eine Zunahme der Fahrgastzahlen um 10-15% würde derzeit zu einem Kollaps führen.

       Ich finde, wir müssen bei einer Verbesserung des ÖPNV vor allem auf zwei Aspekte achten. Erstens muss sich die Reibungslosigkeit der letzten Meile verbessern. Der Transfer vom U-, S-, oder Busbahnhof nach Hause muss problemlos ablaufen, damit Fahrgäste ihn nutzen. Und zweitens Müssen wir die Attraktivität der öffentlichen Verkehrsmittel insgesamt erhöhen. Dazu braucht es größere Kapazitäten: Denn nur mehr Züge können auch mehr Menschen befördern.

       Um die Reibungslosigkeit der letzten Meile zu sichern und wirkliche Innovation im Bereich der Fortbewegung zu ermöglichen, sollten wir uns aber vor allem die Chancen der Digitalisierung zu Nutze machen. Junge Unternehmen, die innovative Mobilitätskonzepte haben, um die Reibungslosigkeit der letzten Meile zu sichern, werden derzeit von langwierigen und aufwändige Genehmigungsverfahren im Personenbeförderungsgesetzt (PBefG) ausgebremst. Dabei ist gerade die Erprobung unter Realbedingungen für Start-Ups essenziell, um Erkenntnisse über das Nutzungsverhalten zu gewinnen und Marktreife zu erlangen. Ich finde, wir sollten die Bestimmungen im PBefG auf den Prüfstand stellen. Denn unser Ziel muss es sein, weniger Emissionen durch den Verkehr zu produzieren. Wir dürfen keine Idee zurücklassen.