Daniela Kluckert

Das Wettrennen der innovativen Antriebe

Ein Appell für eine technologieoffene Förderung innovativer Antriebe

Deutschland überholt sich selbst – zumindest, wenn man die Realität mit so einigen Aussagen unseres Verkehrsministers vergleicht. Gönnerhaft verspricht Andreas Scheuer, dass zukünftig E-LKWs von der Maut verschont bleiben. Davon erhofft sich der Minister einen Push für die Branche und zudem positive Umwelteffekte. Er hat dabei nur ein kleines Problem übersehen: Die deutsche Industrie und Spediteure finden bislang überhaupt noch keine serienreifen Vehikel auf dem Markt.

Wir brauchen mehr als bloße Versprechen

Dieses kurze Beispiel zeigt auf, dass die große Koalition im Bereich der innovativen Antriebe zwar gerne vollmundig von null auf 100 schaltet, aber neue Zielvereinbarungen im Koalitionsvertrag die versäumte politische Arbeit der letzten Perioden nicht so einfach wett machen können. Wer sich ein teures E-Auto leistet, verzweifelt bislang an der dürftigen Infrastruktur und wird zusätzlich noch mit einer Vielzahl ungeklärter rechtlicher Fragen konfrontiert.

Ein paar Beispiele: Die meisten Deutschen leben zur Miete, im Mietrecht wurden aber bislang noch keine Regelungen für den Zugang zu Ladestationen festgehalten. Wo sollen die Ladensäulen in den schon jetzt zu engen Innenstädten unserer Metropolen errichtet werden? Daneben existiert bislang kein einheitliches Bezahlsystem – als FDP wollen wir Pauschalen und unterschiedliche Bezahlung nach Standzeit oder Menge verhindern. Darüber hinaus erfüllen E-Antriebe bislang nur unzureichend die Bedürfnisse beispielsweise von Pendlern oder Lieferunternehmen. Die durchschnittliche Reichweite der E-Motoren von 240 Kilometern reicht im wahrsten Sinne nicht aus. Und zu alle dem ist es beim derzeitigen Stand der Technik keineswegs eindeutig belegt, dass der ökologische Fußabdruck der Elektromobilität umwelt- und vor allem ressourcenschonender ausfällt als beispielsweise Verbrennungsfahrzeuge der modernsten Klasse 6. Die neue Generation leistungsstärkerer E-Batterien lässt ebenfalls auf sich warten. Und dennoch setzt die Bundesregierung auf den Elektroantrieb als DEN Antrieb der Zukunft. Mit anderen Worten: Der aktuelle Kurs der Bundesregierung riskiert es, dass der Wirtschaftsstandort Deutschland sein Standing als Innovationsvorreiter im Gebiet der Mobilität verliert (Einen ausführlichen Beitrag mit dem Fokus auf Elektromobilität findet Ihr hier).

Mehr Mut für eine offene Technologieentwicklung

Dieser Beitrag hingegen plädiert für eine technologieoffene Förderung der Mobilität. Der wissenschaftliche und technologische Fortschritt der jeweiligen Antriebsformen darf nicht politisch festgelegt werden. Das ist neben unserer liberalen Grundüberzeugung auch die naheliegende Schlussfolgerung, wenn man sich die Geschichte des technischen Fortschritts ansieht. Daher brauchen wir Alternativen wie zum Beispiel synthetische Kraftstoffe durch Power-to-Gas, Power-to-Fuel oder den Antrieb durch Wasserstoff. War Deutschland während der 2000er Jahre in  diesem Bereich absoluter Vorreiter, verloren die deutschen Autobauer zu früh den Glauben an diese Technik, wohl unter anderem auch wegen falscher (fiskalpolitischer) Anreize zugunsten des Diesels. Nichtsdestotrotz - umweltschonend, ressourcenarm und mit hohem Entwicklungspotential - der Wasserstoff ist eine der spannendsten Antriebsformen unserer Zeit.

Wohin entwickelt sich der Wasserstoffantrieb

Die Entwicklung im Bereich der wasserstoffbasierten Antriebe gabelt sich aktuell in zwei zukunftsträchtige Richtungen: Zum einen gibt es die Brennstoffzelle. Sie erzeugt  durch ein Wasserstoff-Sauerstoff-Gemisch Energie, die wiederum einen Elektromotor betreibt. Zum anderen ermöglicht der Wasserstoff dem Verbrennungsmotor neue Perspektiven. Denn Wasserstoff kann als Kraftstoff getankt werden. Beide Wege der Wasserstoffantriebe sind zwar noch nicht massenmarkttauglich oder technisch völlig ausgereift, haben aber ein fast unschlagbares Argument für sich: den wohl geringsten Emissionsausstoß an CO2 unter allen derzeitigen Antriebsformen.

Wasserstoff - der Status quo

Die Bundesregierung klebt im Wettrennen der innovativen Antriebe in den Startlöchern fest. Das Nationale Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP I/II) soll 2018 eingestellt werden. Zudem scheint es, als wären die Gelder des Förderprogrammes nicht ordentlich abgeflossen bzw. abgerufen wurden, 2017 waren im Haushalt immerhin mehr Gelder übrig, als 2016 in Gänze abflossen. Dabei ist die Infrastruktur der Wasserstoffzellen noch dürftiger als im E-Bereich. Wer von Berlin in Richtung Süden fahren möchte, findet erst nach 450 Kilometern in Nürnberg die nächste Tankstation. Ost- und Mitteldeutschland sind quasi Wasserstofftankstellen-frei (Eine Übersicht der bisher erfassten Wasserstofftankstellen findet Ihr hier).

FDP Anfrage soll Technologie pushen

Deshalb möchten wir als Freie Demokraten den innovativen Antrieben jetzt zum großen Sprung nach vorne verhelfen. Wir müssen jetzt unsere Infrastruktur in die Neuzeit holen. Dafür brauchen wir aber Antworten zum Status quo, den wir durch eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung einholen: Wie viele der 100 bis 2020 geplanten Wasserstofftankstellen stehen bereits? Reichen die bis 2025 veranschlagten 400 Tankstellen weiterhin aus oder müsste nicht angesichts der neuen Verkehrssituation nachjustiert werden? Unsere Anfrage listet weitere Fragen auf, deren Antworten elementar sind. Zum einen um zu hinterfragen, ob wir wirklich auf dem richtigen Weg sind, Wasserstoff und die Elektromobilität als alternative Antriebsarten in Deutschland zu etablieren. Und falls nicht, um neue Konzepte und Wege voranzubringen. Als Opposition nehmen wir diese Aufgabe ernst. Über die Antworten der Bundesregierung informieren wir Euch natürlich auf allen Kanälen.  

Unsere Forderungen für eine innovative Mobilität

Mobilität ist weltweit Ausdruck von Freiheit, Unabhängigkeit, Wohlstand, Individualität und Selbstbestimmung. Und Deutschland lebt von den verschiedenen Wirtschafts- und Industrieakteuren im Mobilitätsbereich. Bei den innovativen Antrieben haben bislang batterieelektrische Lösungen die Nase vorne: sie sind billiger, können Strom effizienter speichern und ihr Wirkungsgrad ist höher als beispielsweise der der Brennstoffzelle. Diese garantiert dagegen längere Reichweiten, ist daher für den ÖPNV bestens geeignet.  Und außerdem dürfen wir den Verbrennungsmotor nicht vergessen, der weiterhin Entwicklungspotentiale in sich trägt. Auch wegen den synthetischen Kraftstoffen, deren Entwicklung noch im Anfangsstadium steht. Diese wandeln CO2 zum Rohstoff für synthetisches Benzin oder Gas und sparen so wertvolle und seltene natürliche Rohstoffe in der Natur. Lassen wir die Forschung, den technischen Fortschritt und die verschiedenen Verkehrsteilnehmer die besten Lösungen entwickeln und wählen, dann findet sich in einigen Jahren ein bedarfsgerechter und kluger Technologiemix auf unseren Straßen, der Schiene oder worauf auch immer wir uns in Zukunft bewegen werden. Die Konzentration auf nur eine Antriebsart ist weder progressiv noch innovativ! Dafür engagieren wir uns als FDP - für eine technologieoffene Förderung der Mobilität, um die Bewegungsfreiheit des einzelnen Bürgers mit vernünftiger Rücksicht auf die Natur zu sichern.